Im Farbenland – Rastenberger Tunnel

Rastenberger Tunnel

Im Betonreich unter dem Bahnhof ist Platz für alle: für die Verkünder von Botschaften, wie auch für die Tierfreunde. Während die einen, diejenigen mit Inschriften würdigen, die ihnen Liebe oder Hass entringen, lassen die anderen ihre Lieblinge an den Wänden ihre Beine heben. Und so verkünden die Einen Neues mit bunten Farben, die anderen lassen mit gelber Flüssigkeit die bunten Verkündigungen abplatzen. Ein unentschiedener Kampf: Farbmarke gegen Duftmarke. Nur nachts ist geschlossen. Atempause fürs Farbenland.

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Hundeleben – Über dem Schießhaus

Über dem Schießhaus

Noch nicht lange ist es her, da konnte der gewöhnliche Hund hier nur mit Hasen und Rehen im grünen Dschungel des Schießhausgeländes um die Wette laufen. Der kultivierte Hund von heute hingegen kann pittoreske Baustellenbeleuchtungsästhetik und die zu Stein werdenden Träume der neu hier siedelnden Eigenheimbesitzer studieren.

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Mysterium – Industriestraße

Industriestraße1

Die Athener haben die Akropolis, die Römer das Kolosseum, die Weimarer haben auch was: ein rätselhaftes Relikt einer anderen Epoche. Doch niemand nimmt davon Notiz. Die Mützen tief ins Gesicht geschoben, die Schals um den Hals geschlungen, die Gesichter zum Boden geneigt. Der Nebel verlangt von den Menschen seinen Tribut. Und der heißt Nichtbeachtung für das Mysterium.

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Wetterherrschaft – Stauffenbergstraße

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Der frühe Sonntag und der weiße Schnee erobern die Stauffenbergstraße auf sanfte Weise. Einsam zieht ein Hausmeister mit einer Maschine seine Bahn. Gemeinsam schaffen sie den schneelosen Untergrund. Wenn die Lehrlinge jetzt kämen, kein Schnee würde unter ihren Schuhen knirschen, keine Feuchtigkeit die Schuhe durchnässen, kein Schnee zur Schlacht laden. Es ist so einfach: Ordnung und Disziplin durch Schneeberäumung. Wochentags oder sonntags – das spielt da keine Rolle. Hegt man gar Träume der Wetterbeherrschung?

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Gezeiten – Meyerstraße

Meyerstraße

Jubelarien erklingen ob des Parkplatzgewinnes, Militärmärsche erschallen beim disziplinierten in Reih- und Gliedeinordnens. Doch alles nur ein süßer Traum. Es erklingt… Nichts! Die Flut an Fahrzeugen steht stumm am Straßenrand. Pünktlich vor acht wird die brummende Welle von Montag bis Freitag in die Meyerstraße rein- und nach sechzehn Uhr wieder rausgespült. Motorisierte Gezeiten, abhängig nicht vom Mond, sondern den Arbeitszeiten der anreisenden Arbeitenden.

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Farbenspiel – Rödchenweg

Rödchenweg

Der Dezember 2015 könnte als Roter Dezember in die Annalen der Stadt eingehen. Aber hier im Rödchenweg verschenkt der Himmel sein Farbenspiel ans Nichts. Niemand bewundert es. Vielleicht schließen die Menschen gerade lieber ihre Augen und lauschen in ihren geheizten Wohnungen dem von einer Sängerin besungenen Farbenspiel. Ein akustisches Himmelreich? Augen auf!

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Gefahr – Amselweg

Amselweg

Der Amselweg – wie ausgestorben. Kein Mensch, kein Tier. Auch keine Amsel. Doch halt, eine Katze schleicht an den Häuserwänden entlang. Und nachdem sich die vierbeinige Vogelgefahr auf den Weg nach Weimar West macht, kehren auch die Vögel zurück. Nur Amseln sind nicht dabei. Schwarze Raben übernehmen die Macht im Amselweg.

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Ein Grab – Minolplatz

Minolplatz

Ein Grabmal wird vorbereitet für das früher hier fließende Öl der Minoltankstelle, für einst gehegte kühne Architektenträume eines spektakulären Bauhausmuseums, aber auch für die niemals bestandene Einheit der Bürger, die sich inzwischen über das Museum heillos zerstritten haben.

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Erröten – Stadtrand

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So ein Morgen kann blass sein, kann blau sein, kann rot sein. Aber so ein errötender Morgen hat einen besonderen Charme. Er bringt so manches in Wallung. Auch Feueranlagen.

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Tauschring – Stadtring

Stadtring

Jubelzeit für Sammler. Eine Müllkippe lädt ein. Und bietet täglich neue Überraschungen. Eine Frau leert ihre Plastikbeutel. Ein Mann füllt seine Plastikbeutel. Geben und Nehmen – abgekoppelt vom Kreislauf Geld gegen Ware. Ein Urzustand des Tauschens. Ein Idealzustand. Bleibt nur die Frage: für wie viele der Weimarer?

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